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Lissabon und Meer Lissabon und Meer
Enge Gasse im Stadtteil Alfama in Lissabon
Stadtviertel

Alfama

Ein Dorf mitten in der Stadt: Wäsche vor den Fenstern, Fado aus den Gassen und hinter jeder Ecke ein neuer Blick auf den Tejo.

Sven da Silva Rochel Sven da Silva Rochel Aktualisiert am 7 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Die Alfama ist das älteste Viertel Lissabons und hat das Erdbeben von 1755 fast unbeschadet überstanden. Bekannt ist sie für ihr Gewirr aus Gassen und Treppen, die Kathedrale Sé, das Castelo de São Jorge, die Aussichtspunkte Santa Luzia und Portas do Sol sowie für Fado. Plane mindestens einen halben Tag ein, mit Burg und Museen einen ganzen. Hoch kommst du mit der Tram 28 oder zu Fuß aus der Baixa – und zieh bequeme Schuhe an.

Der Stadtteil Alfama ist das symbolträchtigste Viertel Lissabons und dank seiner mittelalterlichen Gassen und hervorragenden Aussichtspunkte eines der lohnendsten Viertel bei deinem Städtetrip. Insbesondere Fotografen finden hier ein Motiv nach dem anderen.

Das Erdbeben von 1755, das Lissabon schwerst erschütterte, hat die Alfama kaum in Mitleidenschaft gezogen. Deswegen ist das Gewirr aus engen Gassen, schmalen Treppengängen und winzigen Häusern bis heute erhalten geblieben. Die Alfama ist im Grunde genommen ein kleines Dorf in der Stadt: enge Gassen, kleine Plätze, Kirchen und weiß getünchte Häuser mit Kacheln und schmiedeeisernen Balkonen. Überall findest du Fassaden, die mit Blumentöpfen, trocknender Wäsche und Vogelkäfigen geschmückt sind – und oft duftet es nach Lavendel und frisch gewaschener Baumwolle.

Alfama auf einen Blick

Lage Hang zwischen Burgberg und Tejo, östlich der Baixa
Bekannt für Gassen und Treppen, Castelo, Kathedrale Sé, Miradouros, Fado
Zeitbedarf ½ Tag für den Spaziergang, 1 Tag mit Burg und Museen
Anreise Tram 28, Bus 737, Metro Santa Apolónia, zu Fuß aus Baixa oder Chiado
Für wen Fotografen, Romantiker, Fado-Fans, alle beim ersten Besuch

Verlaufen ausdrücklich erlaubt

Die Alfama zu erkunden, geht nur zu Fuß. Überall geht es hinauf und hinunter, und letztlich kannst du es gar nicht vermeiden, dich in den labyrinthartigen Gassen zu verlaufen. Das ist aber nicht weiter schlimm.

Wer sich jetzt denkt, das mache ich einfach mit Smartphone und GPS, den muss ich leider enttäuschen. In der Alfama stehen die Gebäude so dicht beieinander, dass das Signal oft kaum durchkommt oder zu ungenau ist. So findest du bei jedem Spaziergang durch die alte Wohngegend immer wieder neue Dinge. Jeder Schritt in der Alfama ist auch ein Schritt zurück in die Vergangenheit von Lissabon. Viele Bilder an den Hauswänden erzählen die Geschichte der Bewohner – und wenn du Glück hast, triffst du die Gesichter der Bilder vor dem nächsten Hauseingang.

Ein bisschen Geschichte

Die Alfama war im 15. Jahrhundert ein wichtiges jüdisches Viertel, aber es waren die Mauren, die dem Viertel seine Atmosphäre und seinen Namen gaben. Alfama kommt von „al-hamma“ und bedeutet so viel wie Quellen oder Bad. Die Mauren waren auch für das Straßennetz verantwortlich, das als Verteidigungssystem angelegt wurde und gleichzeitig die Häuser im Sommer kühl halten sollte. Später wohnten hier vor allem Fischer und Hafenarbeiter.

Viele der älteren Bewohner haben ihr ganzes Leben in diesem Stadtteil verbracht und haben ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Leider kaufen immer mehr Investoren ihre Häuser, um die Wohnungen gewinnbringend an Touristen zu vermieten. Trotzdem findest du hier noch eine wirklich authentische Atmosphäre – vor allem in den Nebengassen, abseits der Tram-Strecke.

Die Sehenswürdigkeiten der Alfama

Castelo de São Jorge

Den Abschluss eines jeden Alfama-Besuchs sollte ein Spaziergang zur Burg bilden. Das Castelo de São Jorge ist von fast überall in Lissabon zu sehen. Du kannst die Türme besteigen und auf den Mauern entlanglaufen – und hast von hier das schönste Panorama der Stadt. Zum Sonnenuntergang, wenn die Sonne hinter der Ponte 25 de Abril Richtung Atlantik verschwindet, ist es hier oben einfach magisch.

Der Eintritt kostet 17 € für Erwachsene, mit der Lisboa Card ist er inklusive. Geöffnet ist täglich von 9 bis 18 Uhr (November bis Februar) bzw. 9 bis 21 Uhr (März bis Oktober), letzter Einlass 30 Minuten vorher (Stand: November 2026).

Kathedrale Sé

Aus dem 12. Jahrhundert stammt die Kathedrale Sé. Sie wurde nach der Rückeroberung Lissabons 1147 an der Stelle einer maurischen Moschee errichtet und sieht mit ihren zwei Türmen eher aus wie eine Festung als wie eine Kirche. Ihr einen Besuch abzustatten ist Pflicht, schließlich ist sie die Hauptkirche von Lissabon. Direkt davor rumpelt die Tram 28 vorbei – das klassische Fotomotiv.

Miradouro de Santa Luzia und Portas do Sol

Nur ein paar Schritte oberhalb liegen die beiden bekanntesten Aussichtspunkte des Viertels. Der Miradouro de Santa Luzia ist eine kleine Gartenterrasse mit Azulejos und Bougainvillea, gleich daneben öffnet sich am Miradouro das Portas do Sol der Postkartenblick über die Dächer der Alfama bis zum Fluss. Beide sind gratis und entsprechend voll. Mehr Aussichtspunkte findest du in meiner Liste der Miradouros.

Panteão Nacional und São Vicente de Fora

Fast allgegenwärtig scheint die weiße Kuppel der Kirche Santa Engrácia zu sein. Von fast jedem Aussichtspunkt der Alfama siehst du sie beim Blick nach Osten. In ihr befindet sich das Panteão Nacional mit den Gräbern vieler berühmter Portugiesen, unter anderem von Amália Rodrigues. Gleich daneben steht das Kloster São Vicente de Fora, und dienstags und samstags findet hier der Flohmarkt Feira da Ladra statt.

Museu do Fado

Die Alfama hat viele Dichter und Schriftsteller beeinflusst. Und obwohl das Bairro Alto das traditionelle Fado-Viertel der Stadt ist, war die Alfama seit jeher die Inspiration für Fado-Songs. Nicht ohne Grund steht das Museu do Fado am Largo do Chafariz de Dentro mitten in der Alfama und erzählt die Geschichte dieses typisch portugiesischen Musikstils. Geöffnet ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, der Eintritt kostet ca. 5 €, mit der Lisboa Card ist er frei (Stand: November 2026).

Teatro Romano

Neben unzähligen Kirchen kannst du in der Alfama auch die Überreste eines römischen Theaters bestaunen. Das Museu de Lisboa – Teatro Romano liegt direkt oberhalb der Kathedrale und zeigt, dass hier schon vor 2.000 Jahren Theater gespielt wurde.

Mein Vorschlag für einen Spaziergang

  1. Start an der Kathedrale Sé (Tram 28 oder zu Fuß aus der Baixa).
  2. Hoch zum Miradouro de Santa Luzia und Portas do Sol.
  3. Bergab durch die Gassen rund um die Rua de São Miguel und den Largo de São Rafael – hier ist die Alfama am ursprünglichsten.
  4. Unten zum Museu do Fado am Largo do Chafariz de Dentro.
  5. Wieder hinauf Richtung Panteão und São Vicente de Fora (am Dienstag oder Samstag mit Flohmarkt).
  6. Zum Abschluss auf die Burg zum Sonnenuntergang – oder zum Fado-Abendessen zurück in die Gassen.

Essen & Trinken in der Alfama

Kulinarische Geheimtipps verbergen sich vor allem in den Nebengassen. Rund um die Rua de São Pedro und die Rua dos Remédios findest du einfache Tascas mit Tagesgericht, im Sommer mit Tischen auf der Straße. Je weiter du dich von der Tram-Strecke und den Aussichtspunkten entfernst, desto ehrlicher werden Preise und Essen.

Im Juni, rund um die Nacht des heiligen Antonius, verwandelt sich die Alfama in eine einzige große Straßenparty mit gegrillten Sardinen, Bier und Musik bis zum Morgen. Mehr dazu unter Santo António. Was du sonst unbedingt probieren solltest, steht in meinem Artikel über portugiesische Gerichte.

Abends in der Alfama: Fado

Abends ist die Alfama das Viertel für Fado. Rund um die Rua dos Remédios liegen mehrere Fado-Häuser dicht beieinander, zum Beispiel die Mesa de Frades in einer ehemaligen Kapelle oder die Tasca do Chico mit Fado Vadio. Unterhalb der Kathedrale ist der Clube de Fado eines der bekanntesten Häuser. Rechne in einer Casa de Fado mit Abendessen mit ca. 55–80 € pro Person (Stand: November 2026). Während gesungen wird, gilt: kein Wort, kein Klappern, kein Handy.

Im Kontrast zu diesen zeitlosen Bildern steht die moderne Entwicklung an der Uferpromenade gegenüber dem Bahnhof Santa Apolónia. Für Besucher, die mit dem Kreuzfahrtschiff ankommen, startet und endet hier der Städtetrip. Hier gibt es inzwischen Designläden, Restaurants und mit dem Lux Frágil einen der bekanntesten Clubs Europas. Da gewesen bin ich noch nicht – viel lieber kaufe ich mir unterwegs ein Bier und setze mich an einen der vielen Miradouros der Alfama.

Wohnen in der Alfama

Wer Lissabon so erleben will, wie es auf den Postkarten aussieht, wohnt in der Alfama genau richtig – besonders als Paar. Aber Achtung: Viele Häuser haben keinen Aufzug, und mit dem Rollkoffer über Kopfsteinpflaster und Treppen macht es keinen Spaß. Frag vor der Buchung nach dem Stockwerk. Und rund um die Fado-Häuser kann es abends bis spät musikalisch werden.

Anfahrt

Alle Orte findest du auch auf meiner interaktiven Karte. Wie du die Alfama mit den anderen Vierteln kombinierst, zeige ich dir im Reiseplaner.

Selbst fotografiert

Alle Fotos: © Sven da Silva Rochel

Häufige Fragen

Lohnt sich die Alfama in Lissabon?

Unbedingt. Die Alfama ist das älteste und für viele das schönste Viertel Lissabons: verwinkelte Gassen, Aussichtspunkte, Burg, Kathedrale und Fado auf kleinem Raum. Wenn du nur ein Viertel zu Fuß erkunden kannst, dann dieses.

Wie viel Zeit brauche ich für die Alfama?

Für einen Spaziergang mit Kathedrale und Miradouros reicht ein halber Tag. Mit dem Castelo de São Jorge, dem Fado-Museum und einem Fado-Abend wird ein ganzer Tag daraus.

Wie komme ich in die Alfama?

Mit der Tram 28 bis zur Haltestelle Sé oder Largo das Portas do Sol, mit dem Bus 737 bis zur Burg oder zu Fuß aus der Baixa. Die Metro hält nur unten am Rand, an der Station Santa Apolónia (blaue Linie).

Wo hört man in der Alfama Fado?

Rund um die Rua dos Remédios und unterhalb der Kathedrale liegen mehrere Fado-Häuser, zum Beispiel Mesa de Frades oder Clube de Fado. Alle Tipps, Preise und Verhaltensregeln findest du in meinem Artikel über Fado in Lissabon.

Ist die Alfama eine gute Gegend zum Übernachten?

Für Paare und Romantiker ja, für Leute mit schwerem Koffer eher nicht: Es geht steil bergauf, viele Häuser haben keinen Aufzug. Alle Viertel im Vergleich findest du unter Wo übernachten in Lissabon?.

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Erstmals veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am

Sven da Silva Rochel

Geschrieben von

Sven da Silva Rochel

Ich lebe seit 2018 in Lissabon, spreche Portugiesisch und teste jeden Tipp hier selbst – vom Miradouro bis zur Tasca um die Ecke. Wenn sich Preise oder Öffnungszeiten ändern, aktualisiere ich den Artikel.

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