Rossio
Hier treffen sich alle irgendwann – Lissabonner, Touristen, Tauben. Und du wirst garantiert mehr als einmal drüberlaufen.
Kurz gesagt
Der Rossio, offiziell Praça Dom Pedro IV, ist der zentrale Platz in der Baixa von Lissabon. Bekannt ist er für sein Wellenpflaster, die Säule mit der Statue von Pedro IV., zwei Bronzebrunnen von 1889, das Nationaltheater Dona Maria II und den neomanuelinischen Bahnhof Rossio, von dem die Züge nach Sintra fahren. Der Platz ist frei zugänglich, für einen Rundgang mit Ginjinha und Kaffee reicht eine knappe Stunde.
Der Rossio-Platz, mit offiziellem Namen Praça Dom Pedro IV, ist das Herz der Innenstadt von Lissabon. Mehrere Stadtviertel treffen hier aufeinander, und rund um den Platz befinden sich viele Geschäfte, Restaurants und Bars, wie A Ginjinha und das Café Nicola.
Das macht den Rossio in Lissabon zu einem wichtigen Treffpunkt. Wenn du dich in Lissabon aufhältst, und sei es nur für eine kurze Zeit, wirst du wahrscheinlich mehr als einmal hier vorbeikommen.
Rossio auf einen Blick
| Offizieller Name | Praça Dom Pedro IV |
| Lage | nördliches Ende der Baixa, zwischen Chiado, Mouraria und Avenida da Liberdade |
| Öffnungszeiten | rund um die Uhr (öffentlicher Platz) |
| Eintritt | kostenlos |
| Lisboa Card | nicht nötig |
| Zeitbedarf | 30–60 Minuten, mit Ginjinha und Kaffee |
| Anfahrt | Metro Rossio (grün) oder Restauradores (blau), Bahnhof Rossio |
Der zentrale Treffpunkt Lissabons
Der Platz ist seit seiner Entstehung im Mittelalter unter dem Namen Rossio bekannt und wird auch heute noch so genannt. Der Rossio ist der lebhafteste Platz der Stadt und wird von vielen Bistros und Geschäften gesäumt. Zwei der bekanntesten Cafés der Stadt befinden sich hier: das Café Nicola, das es am Rossio seit dem 18. Jahrhundert gibt, und das Café Suíça, das für seine große Freiluftterrasse bekannt ist.

Taxis, Autos und Busse umkreisen den fußgängerfreundlichen Mittelpunkt des Platzes, der seit Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem kontrastreichen Wellenmuster gepflastert ist. Er wird durch ein hohes Denkmal und zwei Brunnen verschönert. Der Rossio ist ein beliebter Treffpunkt, und die Menschen treffen sich auf einer der zahlreichen Sitzbänke oder auf den Stufen des Denkmals in der Mitte.
Das Wellenpflaster „Mar Largo“
Schau beim Überqueren mal nach unten: Das schwarz-weiße Wellenmuster heißt Mar Largo, „offenes Meer“. Es ist eines der bekanntesten Beispiele der Calçada Portuguesa, des typisch portugiesischen Pflasters aus Kalkstein und Basalt, das in Lissabon auf fast jedem Gehweg liegt. Das Muster hat es bis nach Rio de Janeiro geschafft – die berühmte Promenade an der Copacabana ist davon inspiriert.
Bei Regen wird das Pflaster übrigens spiegelglatt. Gute Schuhe mit Profil sind in Lissabon kein Spießertum, sondern Selbstschutz.
Geschichte: Märkte, Feste und Scheiterhaufen
Schon im Mittelalter war der Rossio der Platz, auf dem sich das Leben der Stadt abspielte: Märkte, Stierkämpfe, Feste, Volksversammlungen – und leider auch Hinrichtungen. Beim großen Erdbeben 1755 wurde der Platz weitgehend zerstört. Danach baute der Marquês de Pombal die gesamte Baixa im heute typischen Schachbrettmuster neu auf, und der Rossio bekam seine heutige, rechteckige Form mit den einheitlichen Fassaden.
König von Portugal Dom Pedro IV.
Ein dreiundzwanzig Meter hohes Monument mit einer Statue von Dom Pedro IV. ziert die Mitte des Platzes. Pedro IV., nach dem der Platz offiziell benannt ist, war König von Portugal und als Pedro I. das erste Oberhaupt des unabhängigen Brasiliens. 1889 wurden auf beiden Seiten des Denkmals zwei große barocke Brunnen aufgestellt. Die Brunnen wurden ursprünglich in der Gießerei von Val d'Osne in Frankreich gegossen. Besonders schön sind sie abends, wenn sie beleuchtet werden.
Sehenswertes rund um den Rossio Platz
Das auffälligste Gebäude, das an den Rossio grenzt, ist das Teatro Nacional Dona Maria II. Das prachtvolle Gebäude wurde Mitte des 19. Jahrhunderts nach einem neoklassizistischen Entwurf des italienischen Architekten Fortunato Lodi errichtet. Das Theater steht an der Stelle des Estaus-Palasts aus dem 15. Jahrhundert. Die königliche Residenz erlangte traurige Berühmtheit, als die Inquisition hier ihren Sitz einrichtete. Vor dem Palast wurden zahlreiche vermeintliche Ketzer bei den sogenannten Autos-da-fé verurteilt und verbrannt.
1964 zerstörte ein Brand das Innere des Theaters, erst 1978 wurde es wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Das Äußere des Gebäudes zeichnet sich durch seine große klassizistische Vorhalle aus. Sechs gewaltige ionische Säulen tragen den Giebel, der mit Figuren geschmückt ist, die Apollo und seine Musen darstellen. Ganz oben steht eine Statue von Gil Vicente, einem Schriftsteller des 15./16. Jahrhunderts, der als Begründer des portugiesischen Theaters gilt.
Der coole Bahnhof Rossio
In der Nähe des Nationaltheaters, in Richtung Praça dos Restauradores, befindet sich ein weiteres reizvolles Gebäude: der Bahnhof Rossio. Er wurde von 1887 bis 1890 als Lissabons zentraler Bahnhof gebaut, und heute fahren hier die Züge nach Sintra ab. Der Bahnhof hat eine prächtige Fassade im neomanuelinischen Stil (eine Neuauflage der portugiesischen Spätgotik), mit aufwendig verzierten Steinmetzarbeiten. Beachte die beiden großen hufeisenförmigen Eingangsportale.
Die Gleise liegen übrigens nicht auf Höhe des Platzes, sondern ein paar Stockwerke höher – Rolltreppen bringen dich hoch. Dahinter verschwinden die Züge direkt in einem langen Tunnel unter der Stadt.
Ginjinha, Cafés und Praça da Figueira
Ein Rossio-Besuch ohne Ginjinha ist wie Lissabon ohne Hügel. In der Ecke am Largo de São Domingos steht die winzige Bar A Ginjinha, in der seit dem 19. Jahrhundert Sauerkirschlikör ausgeschenkt wird – im Stehen, auf die Hand, gern mit Kirsche im Glas. Mehr zum Getränk liest du in meinem Artikel zur Ginjinha.
Direkt daneben steht die Igreja de São Domingos. Nach einem Brand 1959 wurde sie nur notdürftig restauriert, die rußgeschwärzten, rissigen Säulen sind bis heute zu sehen. Ein ziemlich eindrucksvoller Ort, der kaum Eintritt kostet – nämlich keinen.
Gleich östlich des Rossio liegt die Praça da Figueira mit dem Reiterstandbild von König João I. Hier fahren die Tram 15E nach Belém und die Tram 12E ab. Und von dort bist du in wenigen Minuten am Martim Moniz, wo die Tram 28 startet.
Tipps für deinen Besuch
- Abends kommen: Wenn die Brunnen und das Theater beleuchtet sind, ist der Rossio am schönsten.
- Kaffee mit Blick: Auf der Terrasse eines der Cafés zahlst du etwas mehr, sitzt aber in der ersten Reihe. Wenn du mich fragst, ist ein Galão oder Bica mit Blick auf den Platz ein guter Start in den Tag.
- Kombinieren: Der Rossio ist der perfekte Startpunkt für einen Spaziergang durch die Baixa: über die Rua Augusta hinunter zur Praça do Comércio und weiter zum Fluss.
- Aufzüge und Standseilbahnen: Der Elevador de Santa Justa zwei Straßen weiter und die Glória-Bahn an der Praça dos Restauradores sind seit September 2025 außer Betrieb (Stand: November 2026). Mehr dazu unter Standseilbahnen.
In der Nähe
- Elevador de Santa Justa: Der Eisenturm liegt zwei Minuten entfernt.
- Praça do Comércio: Am anderen Ende der Rua Augusta, ca. 10 Minuten zu Fuß.
- Mouraria: Das Fado-Viertel beginnt direkt hinter Martim Moniz.
- Castelo de São Jorge: Die Burg siehst du vom Rossio aus über den Dächern.
Selbst fotografiert
Meine Fotos von Praça Dom Pedro IV
Alle Fotos: © Sven da Silva Rochel
Häufige Fragen
Wie heißt der Rossio offiziell?
Offiziell heißt er Praça Dom Pedro IV, benannt nach König Pedro IV., der als Pedro I. auch erster Kaiser von Brasilien war. Im Alltag sagt aber jeder einfach „Rossio“.
Fährt der Zug nach Sintra vom Rossio ab?
Ja. Vom Bahnhof Rossio fahren die Vorortzüge der CP nach Sintra, die Fahrt dauert rund 40 Minuten. Alles zur Anreise findest du unter Sintra: Anreise.
Was ist das Wellenmuster auf dem Rossio?
Das ist die „Calçada Portuguesa“, das typische portugiesische Pflaster aus hellem Kalkstein und dunklem Basalt. Das Wellenmuster des Rossio wird „Mar Largo“ (offenes Meer) genannt und stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.
Wo gibt es am Rossio Ginjinha?
Gleich um die Ecke am Largo de São Domingos, in der winzigen Bar „A Ginjinha“. Ein Gläschen Sauerkirschlikör im Stehen gehört zum Rossio dazu. Mehr dazu unter Ginjinha.
Ist der Rossio sicher?
Grundsätzlich ja, tagsüber und abends ist hier viel los. Typisch sind Männer, die dir leise „Hashish? Cocaine?“ anbieten – einfach ignorieren. Und wie überall, wo viele Menschen sind: Wertsachen im Blick behalten.
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Erstmals veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert am
Geschrieben von
Sven da Silva Rochel
Ich lebe seit 2018 in Lissabon, spreche Portugiesisch und teste jeden Tipp hier selbst – vom Miradouro bis zur Tasca um die Ecke. Wenn sich Preise oder Öffnungszeiten ändern, aktualisiere ich den Artikel.
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